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Veranstaltungen in unserer Klosterkirche

Gottesdienste

Zu unseren Gottesdiensten laden wie Sie herzlich ein.

täglich

  8.00 Uhr Eucharistiefeier
17.00 Uhr Vesper


Impuls

14. Sonntag im Jahreskreis, Mt 11,25-30


Mein Joch ist die Liebe

 

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

Mir ist vom Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

 

An diesem Text wird deutlich, dass Jesus als gebildeter jüdischer Rabbi seiner Zeit gegen diejenigen unter seinen jüdischen Glaubensgeschwistern in Opposition tritt, die, vielleicht aufgrund mehr oder weniger ausgeprägem Torawissen glauben, sich über ihre Mitmenschen erheben zu können. Jesus will ihnen klar machen, dass es hier um die Gewährung von Liebesdiensten jenseits der Emotionen geht. Die Grundlage hierfür sind die Textstellen Lev 19,18: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ und Deut 6,5: “ Darum sollst du den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“. Der große jüdische Religionswissenschaftler, Dr. Yuval Lapide, erklärte mir, dass die wörtliche Übersetzung aus dem Hebräischen bei Levitikus heißen muss: „Du sollst deinem Nächsten lieben wie dich selbst.“ Diese sprachliche Besonderheit, Dativus ethicus genannt, bezeichnet im Hebräischen die indirekte Liebe, also genau das, was Jesus seinen jüdischen Zuhörern vermitteln will. Zu Lieben geht nicht auf Befehl. Das ist auch nicht verlangt und nicht notwendig. Aber, so sagt Jesus, ihr seid dazu aufgefordert, allen euren Glaubensgeschwistern und darüber hinaus allen Menschen in Liebe zu begegnen, indem ihr ihnen  durch jedwede Liebesdienste zur Seite steht, und zwar ohne Ansehen der Person, der Hautfarbe, der Religionszugehörigkeit, der politischen Zugehörigkeit. Diese Liebesdienste sind schlichtweg grenzenlos und überwinden alle Barrieren.

Und die Grundlage dafür, dass es den Menschen gut geht, beschreibt Deut 6,5. Wenn ihr euren Gott so liebt, dann wird es euch gut gehen. Und von dieser Basis aus könnt ihr einander helfen. Und noch andere Texte der Tora hat Jesus als Grundlage im Kopf, Jesaja, den großen Propheten, den er gern immer wieder auf die verschiedenen Alltagssituationen anwendet, und der mit ihm die gleiche Namensbedeutung hat, nämlich „Gott heilt“.  Jesus stellt klar: den spirituellen Durst und Hunger kann nur Gott stillen, wie es in Jes 44,3 heißt: „Denn ich gieße Wasser auf den dürstenden Boden, rieselnde Bäche auf das trockene Land. Ich gieße meinen Geist über deine Nachkommen aus und meinen Segen über deine Kinder.“ Und bei Jes 51,1 wird gesagt: „Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt und die ihr den Herrn sucht. Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf den Schacht, aus dem ihr herausgebohrt wurdet.“

 

Was der Jude Jesus, der uns Christen zum Heiland geworden ist, seinen jüdischen Schwestern und Brüdern gesagt hat, das gilt auch heute, für Juden und uns Christen. Es gibt so viele Menschen, die unsrer Hilfe brauchen. Die alte, einsame Dame, die ein Gespräch braucht. Der Schwarze, der sich in seiner Haut sprichwörtlich nicht wohl fühlt, und endlich ehrlich gemeinte Zuwendung braucht, die jüdische Schwester, die an den Folgen der Schoa zu leiden hat, die auf die Anerkennung wartet, zum auserwählten Volk zu gehören, der hungrige Obdachlose etc.

Wollen wir Christen unserem Herrn ernsthaft nachfolgen, so ist das verbunden mit unserer Um- und Rückkehr zu den jüdischen Wurzeln, zu den Glaubensgrundlagen, aus denen Jesus auch schöpfte. Den Herrn verstehen zu wollen, ohne seine Grundlagen wirklich zu kennen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Wollen wir in den Fußspuren Jesu gehen, dann sind wir, Sie und ich, aufgefordert, jenseits jeder politischen Einstellung, allen Bedürftigen mit jedwedem Liebesdienst zur Seite zu stehen.

 

Ihnen eine gesegnete Woche

Sr. M. Claudia Rommerskirchen OSC